DER  GLOBALE  GEDANKE

Um die Gedanken, auf denen die Friedensuniversität Monte Cerro aufbaut, näher zu beleuchten, kommt hier ein Auszug aus der Projekterklärung des Experiments Monte Cerro, verfaßt von Dieter Duhm:
 
Die Entwicklung der Menschheit scheint in eine Sackgasse zu laufen, die mit herkömmlichen Mitteln nicht mehr überwunden werden kann. Die Arbeit von Abteilungen der UNO, von NGO-Gruppen und unzähligen Friedensprojekten ist wichtig und unerläßlich, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß kaum noch eine positive Zielorientierung von globaler Größenordnung existiert. Unter den gegebenen Voraussetzungen ist eine überzeugende Perspektive für ein gewaltfreies Zusammenleben der Bewohner unseres Planeten nicht mehr erkennbar. Um günstigere Voraussetzungen zu schaffen, müßten Zentren entstehen, in denen ein gewaltfreies Zusammenleben des Menschen mit allen Mitgeschöpfen exemplarisch durchdacht und entwickelt werden kann. Der reale Aufbau solcher Zentren ist das Ziel des Projekts der Heilungsbiotope.

Das Projekt vertritt in zweifacher Hinsicht einen globalen, planetarischen Aspekt:

Erstens: Durch die Ökonomie der Globalisierung wird die gesamte Menschheit aus ihren Ankern gerissen. Solche Anker sind oder waren: Das Stück Erde, das man bewohnte und von dem man lebte, das Leben in Stamm und Großfamilie, organische Gemeinwesen mit weitgehend autarker Wirtschaftsweise, Einbettung in Natur und Schöpfung, Heimat im Schutz eines übergeordneten Ganzen. Diese natürliche Verankerung spiegelt sich wieder in einem inneren Wertesystem von Wahrheit, Vertrauen, Zusammenhalt, gegenseitiger Unterstützung, Gastfreundschaft, Nachbarschaftshilfe und Pflege für die natürliche Umwelt. Dieses natürliche Wertesystem ist durch einen geschichtlichen Prozeß der Entwurzelung zerrissen worden. Durch die Totalität der kapitalistischen "Kolonisation" (Edward Goldsmith) und Wirtschaftsweise verlieren Milliarden von Menschen ihren inneren und äußeren Anker, ihre menschlichen Grundwerte, ihre Heimat, ihr Vertrauen und ihren Sinn im Leben.
Der ökologischen und militärischen Zerstörung im Äußeren, die zwangsläufig mit der kapitalistischen Kolonisation verbunden ist, entspricht ein maßloses menschliches Elend im Inneren. Dazu gehört auch die epidemieartige Zunahme von Kriminalität, Drogensucht, Alkoholismus, Gewalttätigkeit, Depression und psychosomatischen Erkrankungen. Aus diesem Zusammenhang erklären sich auch die Kriege unserer Zeit, die mit einer epidemischen Raserei des Tötens und Vernichtens betrieben werden. Es ist offensichtlich, daß die Menschheit neue Formen des Lebens finden muß, um die Epoche des Schreckens beenden zu können.

Aus dieser globalen Schau der Dinge ergibt sich von selbst die absolute Notwendigkeit, neue Gemeinwesen aufzubauen, in denen die Bewohner ihre natürlichen Werte und Ressourcen auf neuer Ebene wiederfinden können. In den Heilungsbiotopen sollen solche Gemeinwesen modellhaft aufgebaut werden. Es sollen dabei keine alten Systeme kopiert, sondern neue entwickelt werden.

Zweitens: Durch die in der Globalisierung angestrebte "neue Weltordnung", mit bargeldlosem Warenverkehr und elektronischen Identitätsmarken, mit sogenannten "Freihandelszonen" und Austilgung aller einheimischen Subsistenzwirtschaften wird ein wachsender Teil der Erdbevölkerung (Indigene, Arme, Arbeitslose, Landlose, Kranke, Oppositionelle, Freiheitskämpfer, Wahrheitssucher, autonome Denker und unliebsame Erfinder) aus der Güterversorgung ausgeklammert.
Außerdem wird infolge der steigenden Arbeitslosigkeit die allgemeine Kaufkraft sinken und damit einen Teil der Produktion sinnlos machen, wodurch wiederum die Arbeitslosigkeit steigt. Auf diese Weise entsteht ein globales Vakuum von besonderer Art, denn der aus dem Weltwirtschaftssystem herausfallende Teil der Erdbevölkerung braucht eine neue Lebensmöglichkeit. Auch hier könnten die Heilungsbiotope eine Lösungsmöglichkeit bzw. ein Angebot präsentieren.
Zu schaffen sind neue, von Banken, Konzernen und Staaten unabhängige Gemeinwesen mit weitgehend autarker Versorgung in allen lebenswichtigen Bereichen. Es handelt sich in gewisser Weise um eine "Rückkehr" zu lokalen, auf Gemeinschaft basierenden Wirtschaftssystemen, aber in Verbindung mit neuen Technologien und mit neuen sozialen Strukturen einschließlich eines neuen Verhältnisses der Geschlechter.

Wie können lokale Gruppen zu einer globalen Wirkung kommen? Wie können sich die Bedingungen eines strukturellen Friedens, die an wenigen Orten geschaffen wer-den,  auf die ganze Erde auswirken?
Die Antwort ergibt sich aus den Eigentümlichkeiten holistischer (ganzheitlicher) Systeme. Die Menschheit bildet zusammen mit dem gesamten Leben auf der Erde ein holistisches System. Das Ganze wirkt in jedem Teil - und umgekehrt: was immer in einem Teil geschieht, wirkt auf das Ganze. Diese Wirkung kann minimal sein, sie nimmt aber zu mit der Bedeutung, welche die lokale Veränderung für das Ganze hat. Bei hoher Bedeutung entwickelt sich im Ganzen ein Vorgang, der sich mit den Begriffen der "Resonanz", der "Iteration" und der "morphogenetischen Feldbildung" beschreiben läßt. Dies ist der entscheidende Vorgang  für die Ausbreitung einer globalen Friedenskraft. (Ich habe diesen Vorgang in meinem Buch "Die Heilige Matrix" ausführlicher beschrieben). Wird in einen Organismus eine Information eingegeben, die genügend komplex, genügend wichtig und genügend kompatibel ist mit dem Ganzen, so wirkt diese Information in allen Zellen.

Wird in den Informationskörper der Erde eine Information eingegeben, die wichtig ist für in gewaltfreies Zusammenleben der Geschöpfe, so gerät die geistige Schicht der Erde (Noosphäre) in einen "angeregten Zustand"; die eingegebene Information wirkt latent in allen Geschöpfen. Wird die Information eingegeben durch real existierende Heilungsbiotope, so entsteht ein globales Wahrscheinlichkeitsfeld für die Entstehung ähnlicher Lebensformen an vielen Orten der Erde. Entscheidend für den Erfolg solcher Friedensprojekte ist nicht, wie groß und stark sie sind (im Vergleich zu den bestehenden Gewaltapparaten), sondern wie umfassend und komplex sie sind, wie viele Elemente des Lebens sie auf gute Weise in sich zusammenfügen und vereinigen. In den Feldbildungen der Evolution gilt nicht das "Recht des Stärkeren", sondern der "Erfolg des Umfassenderen". Andernfalls hätte sich keine neue Entwicklung durchsetzen können, denn sie haben alle "klein und unscheinbar" begonnen (Teilhard de Chardin).

In diesem Zusammenhang können wir eine zentrale Forschungsfrage der Heilungsbiotope so formulieren: Welche sozialen, ökologischen, ökonomischen, spirituellen Voraussetzungen sollten verwirklicht werden, damit - beim heutigen Stand unserer Evolution - die für die planetarische Heilungsarbeit erforderliche Gesamtinformation entstehen kann?

Das Hauptproblem liegt nicht in der Frage, ob die neuen Zentren global wirksam werden können, sondern ob wir in der Lage sind, sie real zu erschaffen. Gerade weil sie ein Teil des Ganzen sind, hängt auch die Last des Ganzen an ihnen. Gelingen können sie nur, wenn sie auf jenen "universellen Grund" gehen, den sie mit dem Ganzen gemeinsam haben.Dieser universelle Grund ist die unversehrbare Basis aller Menschen, ihre gemeinsame Quelle und Mitgift, ihr göttlicher Kern. Er zeigt sich in der Fähigkeit zur Wahrheit, zur Liebe und zur Anerkennung einer höheren Ordnung des Lebens.

Die neuen Gemeinschaften beginnen global zu wirken, wenn sie im Gewebe der Menschheit diejenige Dimension gefunden haben, in der alle Erdbewohner miteinander und mit allen Geschöpfen des Lebens verbunden sind. Auf dieser Grundlage konvergieren und vereinigen sich die Fragmente des Lebens, die so lange getrennt waren: Mann und Frau, Mensch und Mensch, Sexualität und Geist, Eros und Agape, Mensch und Natur, Mensch und Gott. Hier zeigt sich die unabweisbare spirituelle Dimension zukünftiger Heilungsarbeit. Heilung ist die Rückkehr aus der Verbannung, die Aufhebung des Urschmerzes, der in der Trennung bestand.
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